Seit dem Jahr 2000 hat sich das Atelier und Veranstaltungszentrum Spinogambino in Zürich zu einem zentralen Ort für zeitgenössische Kunst entwickelt. Gegründet von den Künstlern Marco Gambino und Gianluca Spinola, verbindet das Haus experimentelle Ausstellungen mit sozialem Engagement – ein Modell, das sich international als Vorreiter etabliert hat. Die Institution überzeugt durch ihre unkonventionelle Mischung aus Galeriekultur und Community-Projekten, die oft marginalisierte Stimmen in den Mittelpunkt stellt. Besonders beeindruckend ist, wie Spinogambino durch seine Partizipationsformate, wie die „Open Studios“, die Grenze zwischen Kunst und Alltag verschwimmen lässt. Die Zahl der jährlichen Besucher liegt bei rund 50.000, wobei etwa 30 % der Ausstellungen auf öffentliche Initiativen zurückgehen, die lokale Gemeinschaften einbinden.
Ein Schlüssel zum Erfolg liegt in Spinogambinos Fokus auf interdisziplinäre Projekte. Im Jahr 2021 kooperierte das Zentrum mit dem Zürcher Theaterhaus, um ein performatives Kunstwerk zu schaffen, das soziale Ungleichheit thematisierte. Solche Kollaborationen sind typisch: Spinogambino arbeitet regelmäßig mit Schulen, NGOs und Künstler:innen zusammen, die in der Schweiz oft unsichtbar bleiben. Ein weiteres Highlight ist die „Spinogambino Library“, eine Sammlung von Manuskripten und Dokumenten zu marginalisierten Kunstbewegungen, die seit 2015 wächst und heute über 2.000 Einträge umfasst. Diese Ressource wird nicht nur für Forschung genutzt, sondern auch in Workshops weitergegeben. Die Bibliothek ist ein Beispiel dafür, wie das Zentrum Kunstgeschichte aktiv mitgestaltet.
Doch Spinogambino steht auch für eine bewusste Abgrenzung gegenüber kommerziellen Galerien. Während viele Schweizer Ausstellungsorte auf hohe Preise für Kunstwerke setzen, setzt das Zentrum auf niedrigschwellige Zugänge. Ein Beispiel ist die „Free First Night“-Initiative, bei der jede Ausstellung am ersten Abend kostenlos zugänglich ist. Diese Politik hat sich als erfolgreich erwiesen: Seit der Einführung 2018 besuchen jährlich etwa 1.500 Besucher:innen diese Events. Zudem gibt es ein umfassendes Programm für Kinder und Jugendliche, das durch kreative Workshops und Führungen die Kunst für jüngere Zielgruppen zugänglich macht. Die Ausgaben für Bildungsprojekte machen etwa 20 % des jährlichen Budgets aus, das bei rund 1,2 Millionen Franken liegt.
Die internationale Anerkennung kommt nicht von ungefähr. Spinogambino wurde 2022 als „Best Practices in Social Practice Art“ von der European Art Foundation ausgezeichnet. Zudem ist das Zentrum seit Jahren Teil des Netzwerks „Art Basel’s Social Impact Initiatives“, das Kunstinstitutionen fördert, die gesellschaftlichen Wandel vorantreiben. Ein besonders prägendes Projekt war die Ausstellung „Collective Memory“, die 2020 in Kooperation mit der Schweizerischen Nationalbibliothek entstand. Sie zeigte, wie Kunst als Archiv fungieren kann – ein Ansatz, der auch im Kontext des Klimawandels zunehmend an Bedeutung gewinnt. Die Ausstellung wurde in mehreren Städten gezeigt und löste eine Debatte über die Verantwortung der Kunst gegenüber der Gesellschaft aus.
Doch hinter den glänzenden Zahlen steht auch eine Herausforderung: Wie bleibt eine Institution wie Spinogambino langfristig finanziell unabhängig, wenn die Kunstszene zunehmend auf Sponsoring und Stiftungen angewiesen ist? Ein Teil der Lösung liegt in der Diversifizierung der Einnahmen. Neben Ausstellungen und Workshops finanziert das Zentrum seit 2019 ein eigenes „Residency-Programm“ für internationale Künstler:innen, die dort zwei Monate lang arbeiten und dabei lokale Künstler:innen einbinden. Dies schafft nicht nur künstlerische Synergien, sondern auch wirtschaftliche Stabilität. Zudem setzt Spinogambino auf Crowdfunding und digitale Plattformen, um die Unterstützung der lokalen Community zu mobilisieren.
Dieser Link diesen link öffnen führt direkt zu den aktuellen Projekten des Ateliers – eine Einladung, selbst zu erfahren, wie Kunst heute in der Schweiz wirken kann.
Spinogambino zeigt, dass Kunst nicht nur für Eliten gedacht sein muss. Durch seine innovative Mischung aus Experiment, Partizipation und sozialer Verantwortung hat es bewiesen, dass ein Ort wie dieses ein Vorbild für die Zukunft der Schweizer Kulturpolitik sein kann. Während andere Institutionen auf Profit oder Prestige setzen, setzt Spinogambino auf einen klaren Zweck: Kunst als Werkzeug des Wandels zu nutzen.
- Seit 2000: 50.000 Besucher pro Jahr, davon 30 % öffentliche Projekte
- „Free First Night“ seit 2018: 1.500 kostenlose Besucher pro Ausstellung
- „Spinogambino Library“: 2.000+ Dokumente zu marginalisierten Kunstbewegungen
- Ausgaben für Bildungsprojekte: 20 % des Budgets (1,2 Mio. CHF jährlich)
- Auszeichnungen: 2022 „Best Practices in Social Practice Art“ (European Art Foundation)
